Dem Holz auf der Spur

Das Spazierengehen ist seit einem Jahr in seiner Beliebtheit aus bekannten Gründen enorm angestiegen. Für alle MödlingerInnen, denen langsam die Ideen für Ausflugsziele ausgehen, haben wir versucht, die Stadt neu zu entdecken. Dazu reicht oft schon die Veränderung des Fokus und des Blicks, mit dem man durch vertraute Viertel wandert. Bei einem Lokalaugenschein an einem der ersten Frühlingstage haben wir uns ein Bild davon gemacht, wie es um den Einsatz von Holz und nachhaltiger Planung in Mödling steht.

Hier unser Fazit – das gleichzeitig als Inspiration für neue Routen im Altbekannten dient. Wir beginnen unseren Spaziergang und starten, wie man einen guten Spaziergang starten sollte: mit einem Kaffee bei Mr.BEANs.

„Neue Routen im Altbekannten“

Das erste Ziel, das wir ansteuern, ist der Mödlingbach im Bereich der Keimgasse, an dessen Ufern sich baulich in den letzten Jahren einiges getan hat, und das nicht nur punkto Wohnbau. Die Erweiterung des Gymnasiums Keimgasse sticht dank seiner Gr..e sofort ins Auge, und erfüllt gleich zwei Aspekte der Nachhaltigkeit: ökologisch, durch die Instandsetzung des Bestandsgebäudes, und sozial, durch die Investition in Bildung. Rund um die Bildungs-Baustelle sind hier in den letzten Jahren aber auch einige Wohnbauten entstanden: Leben am Wasser ist für seine besondere Qualität bekannt. Wasser kühlt auf natürlichem Weg die Umgebungstemperatur. Eine Tatsache, die bei immer heißer werdenden Sommern eine wesentliche Rolle spielt, und so auf nachhaltige Weise zur Steigerung des Wohnkomforts beiträgt. Gleiches gilt für das Pflanzen von Blumen und das Vermeiden von versiegelten Flächen. Die Wohnprojekte in diesem Gebiet präsentieren sich ähnlich: sinnvolle Orientierung nach dem Sonnenverlauf, Freiflächen, Holzelemente in der Gestaltung – es sieht nach belebten und lebenswerten Wohnräumen aus.

„Die Stadt neu entdecken: dazu reicht oft schon die Veränderung des Fokus und des Blicks, mit dem man durch vertraute Viertel wandert.“

Weiter gehts Richtung Zentrum, an traditionellen Häusern vorbei zu einem in Bau befindlichen Projekt in der Friedrich Schiller Straße, in dem 16 neue Wohnungen entstehen. Hier sticht die Fassade des Bestandes ins Auge, die als einziges übrig geblieben ist und auf beeindruckende Weise alleine die Stellung hält. Gestalterisch lässt sich zu dem Objekt noch nicht viel sagen, was bei dem Konzept allerdings positiv auffällt, ist die Ausstattung jeder Wohnung mit Balkon und Eigengartenanteilen. Nach einem Jahr Pandemie sind Freiflächen im Wohnbereich in ihrer Wertigkeit gestiegen und definitiv ein Mehrwert. Wir dürfen gespannt sein, wie sich das fertige Projekt ins Ortsbild einfügen wird. Über das Neubauprojekt diskutierend gehen wir weiter. Vorbei an Villen und dem Mödlinger Stadtbad (einem beeindruckenden Zeitzeugen aus dem Jahr 1928, aber dieses Detail nur am Rande) geht es Richtung HTL. Hier beginnt eine Serie eher neuer Projekte, die alle auf die eine oder andere Weise positive Beispiele für den Einsatz von nachhaltigen Materialien sind. Der Frage „Nachhaltigkeit von Einfamilienhäusern?“ widmen wir uns ein anderes mal, der der nachhaltigen Bauweise schon jetzt: Was die Projekte gemeinsam haben, ist der Einsatz von Holz. Und das sowohl in konstruktiver als auch gestalterischer Hinsicht. Angefangen bei der Fassade der Reihenhaussiedlung, die ergänzend zum klassischen WDVS mit einer hinterlüfteten, vorgehängten Holzfassade aus Lärchenrhombuslatten punktet. Zusätzlich zieht sich der Einsatz von Holz durch die gesamte Anlage, so bei der Ausstattung der Kinderspielplätze oder in der Ausführung der Gartenzaunelemente. Spaziert man auf die Guntramsdorferstraße, gelangt man zu einem besonderen Projekt, das so gut integriert ist, dass man leicht daran vorbei läuft: der Bürobau der jungen Architekten Josep in Kooperation mit dem Atelier Haumer für die Baumschule Holzer. Das Büroräume mehr können als Glas und Turm zeigt dieses Holzhaus, ein gelungenes Gesamtkonzept. Sowohl Grundriss als auch Materialwahl überzeugen mit schlichter Eleganz. Ein Blick von der Straße auf das Projekt ist jedenfalls empfehlenswert – und lässt sich mit einem frühlingshaften Besuch bei einem der zahlreichen Gärtner in der Umgebung verbinden.

Das immer industrieller werdende Umfeld lässt uns spontan abbiegen. Wir landen in der Bozner Gasse vor einem revitalisierten Einfamilienhaus mit Zubau aus Holz, dessen Sanierung modern und traditionell zugleich wirkt. Die neugebauten Elemente, der Gartenabstellraum sowie eine große Gaupe aus Holz, heben sich gestalterisch und materiell vom Bestandsgebäude ab. Die Sanierung der mangold Architekten ist der gelungene Abschluss einer abwechslungsreichen Architektur- Wanderung durch Mödling, die wir definitiv empfehlen.

Zur Person:

DI Julia Rogner

ist Architektin und Grafik Desigerin und erkundet für uns die Stadt.

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